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Ladehilfsmittel - Poolsysteme

 

 

Große Verbreitung im europäischen Handel findet die sogenannte Euro-Palette. Mit einer Grundfläche von 1200*800*114 mm (Länge/Breite/Höhe) ist sie bei Transport und die Lagerung für eine optimale Raumnutzung ausgelegt. Durch ihre standardisierte Größe und das hohe Aufkommen ist es nahezu jedem Marktteilnehmer möglich dieses Ladehilfsmittel zu nutzen. Bei Betrachtung des Güterstruktureffektes zeigt sich unter anderem, dass Industrie und Handel seit geraumer Zeit versuchen immer mehr Güter an Verpackungsstandards anzupassen.

Die Verwendung der Europalette findet in einem offenen Poolsystem statt. Die Wirtschaft hat sich auf zwei verschiedene Arten des Palettentausches geeinigt, den "Kölner-" und "Bonner-Palettentausch". Zum download steht eine Zusammenfassung des DIHK, bzw. BGL-e.V. zur Verfügung, in der die jeweiligen Einzelheiten erläutert werden. Entgegen der landläufigen Meinung ergaben Studien der Fraunhofer Institutes, dass die Kosten die durch Palettenpools entstehen, wesentlich höher sind, als allgemein angenommen. Laut den Erkenntnissen des Fraunhofer Institutes belaufen sich die zusätzlichen Kosten- die neben den Beschaffungskosten der Europaletten entstehen - auf 2,49 bis 3,01€ / Durchlauf.

Um als Spediteur oder Transportunternehmen an Aufträgen mit Palettentausch teilnehmen zu können, sind für den Unternehmer verfügbare Euro-Paletten notwendig. Auf einen normalen Trailer mit 13,6m Länge passen max. 34 EURO-Paletten (in eine Lage). Nimmt man einen Preis von je 8,50€/Palette an, ergibt sich ein Betrag in Höhe von 289,-€ / Trailer. Angenommen die firmeneigene LKW-Flotte besteht aus 10 LKW - bei einem 1PL-Marktteilnehmer eine gängige Firmengröße - kostet die "Erstausstattung" an Paletten bereits 2890,- €. Durchaus kein lächerlicher Betrag. Im Falle eines Spediteurs der für einen Kunden den Import von Aktionsware übernimmt, kommen mitunter ganz andere Größenordnungen in Frage. Kleinere Aktionen belaufen sich beispielsweise auf 20x 40'ft Container. Soll die Ware aus den Containern entladen und palettiert werden, sind dafür je nach Ware ungefähr 750 bis 1.000 Paletten notwendig. Allein die Beschaffungskosten dieser Paletten belaufen sich auf 6.000,- bis 8.500,- €. Hinzu kommt der Palettentausch für den Nachlauf, also der Transport zum Endempfänger. Bei 1.000 Paletten sind das Minimum 30 Komplettladungen (FTL) à 33 Paletten / LKW. 30 LKW * 2,50€ / Durchlauf ergeben weitere 75,-€, die so in keiner Angebotsgrundlage auftauchen und darum auch nicht beachtet werden.  

Analog zu den Europaletten gelten die gleichen Spielregeln und Rahmenbedingungen auch für Gitterboxen. Bedingt durch ihre höheren Beschaffungskosten (60,- bis 80,-€ / Box) und das geringer Auftreten belaufen sich die Kosten pro Durchlauf auf ca. 7,99€.

Werden die Kosten für Erstausstattung und die regelmäßigen Kosten für den Tausch in Einklang gebracht ergibt sich eine Situation die nicht zwingend als vorteilhaft angesehen werden kann. Da die Kosten für die Erstausstattung im Idealfall einmalig sind, sollte der Fokus aller Anstrenungen auf der Senkung der regelmäßigen Kosten liegen. In vielen Speditionen arbeiten die involvierten Mitarbeiter nicht direkt zusammen. Auf der einen Seite gibt es die Disposition deren Aufgabe es, je nach Unternehmen, die vorhandenen Ladungen transportieren zu lassen oder die vorhandenen LKW / Bahnwaggons, etc. mit Ladungen zu bestücken. Auf der anderen Seite gibt es die "Palettenabteilung". Deren Aufgabe besteht darin den im Unternehmen vorhandenen Palettenpool zu verwalten, offene Palettenforderungen zu bearbeiten oder für Ersatz und Reparartur zu sorgen. Dabei ergeben sich, zum Teil zwangsläufig, archaisch anmutende Prozesse die für einen großen Teil der Diskrepanzen verantwortlich sind. Um einen Überblick über getauschte oder nicht getauschte Ladehilfsmitttel zu erhalten, werden oftmals die Frachtbriefe / CMR / Dokumentationen der einzelnen Transporte nach Hinweisen auf einen Tausch durchforstet. Um hier ein möglichst gutes Ergebnis erzielen zu können, sind diese Mitarbeiter auf eine eindeutige Dokumentation angewiesen. Sichergestellt werden soll diese Dokumentation zu großen Teilen durch den Einsatz von sog. Palettenscheinen. Daneben existiert für jeden Transport der bereits erwähnte Frachtbrief und / oder Ladelisten, Lieferscheine, Zolldokumente, Handelsrechnungen, etc. Das alles zusammen ergibt einerseits einen Wust an Papieren der nur schwer zu beherrschen ist. Parallel datzu besteht bei einer Vielzahl von Papieren auch immer die Gefahr, dass eibnzelne Dokumente verloren gehen.

Ein weiterer Umstand der auffällt wenn Abteilungen parallel arbeiten ist der Bezug auf unterschiedliche Referenzen und Basisdaten. Während Mitarbeiter der Disposition sich häufig auf in erster Linie auf Empfänger, Absender oder Auftraggeber als Primärreferenz beziehen, sind in Palettenabteilungen eher die Transportunternehmer (also diejenigen gegen die dann die Palettenforderung gerichtet ist) oder Auftraggeber die Hauptbezugspunkte. Selbst wenn sich beide Abteilungen auf den gleichen Hintergrund, zum Beispiel den Auftraggeber, beziehen, nutzen sie nicht selten verschiedene Referenzen. Ein schneller Abgleich von Palettenkonten zwischen allen Beteiligten ist somit nahezu unmöglich.

Vielerorts hat bereits ein Umdenken eingesetzt. Eine konsequente und effiziente Umsetzung ist oft nur in Verbindung mit erneuten Investitionskosten und Prozessanpassungen realisierbar. Investitionskosten werden allerdings von vielen Unternehmen gescheut, bieten aber bei konsequenter Umsetzung eindeutige Vorteile. Die mitunter eingesetzte Technik findet in verwandten Geschäftszweigen bereits flächendeckend Anwendung, sodass man auf praxistaugliche Systeme zurückgreifen kann. Nahezu jeder Kurierdienst und Paketdienstleister arbeitet mit mobilen Computern inkl. Barcodescanner. Über diese Scanner wird die Übernahme der Ware dokumentiert, die Ablieferung, etc. Demnach muss es auch möglich sein, die Lademittelverwaltung mit dieser Technik zu unterstützen. Zusätzliche Zettel könnten entfallen und Palettenbewegungen direkt im System erfasst werden. Bei nationalen Verkehren sollte der Einsatz dieser Technik keine Probleme bereiten. Wie sich die Sache bei internationalen Verkehren (schriftliche Version eines CMR-Dokumentes, etc.) verhält, kann ich leider nicht sagen. Interessieren würde es mich aber auf jeden Fall.

 

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kleiner Hinweis

Hinweise, Anregungen und vor allem Kritik - egal ob positiv oder negativ - sind immer willkommen und ausdrücklich erwünscht.

Beste Grüße aus Hamburg
Carsten Schmidt