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Bullwhip-Effekt - Lösungsmöglichkeit

 
 
 
 



Eine Lösungsmöglichkeit (neben anderen) kann man sich bildlich beim Tauziehen vorstellen. Kauft der Kunde etwas, zieht er im übertragenen Sinne am Seil. Je mehr er kauft, umso stärker zieht er.  Da alle Beteiligten direkt an diesem Seil hängen, bekommt es jeder mit. Auch die Brauerei erfährt sofort von diesem Kauf. Bei ausreichendem Zug am Seil kann sie also direkt eine Lieferung an den Großhändler vorbereiten, ohne dass es einer expliziten Bestellung bedarf.

Prof.Dr. Wildemann (Taschenbuch der Logistik, Seite 201) vergleicht diesen Effekt mit einem 100m Sprint. Der Weltrekord liegt im Einzelwettkampf bei 9,79 Sekunden. In der 4x100m Staffel bei 37,4 Sekunden. Pro Läufer ergibt sich eine Zeit von 9,35 Sekunden. Die Ursache macht er im fliegenden Start aus.

Können der Großhändler und der Getränkemarkt also einen fliegenden Start hinlegen, da die Brauerei in vorauseilendem Gehorsam bereits eine Lieferung vorbereitet hat, profitiert der Kunde davon. Die Durchlaufzeit einer Bestellung verringert sich nicht nur zwischen den einzelnen Gliedern, sondern über die gesamte Kette. Wenn sich die Durchlaufzeit verringert, ist es im Anschluss möglich, die Sicherheitsbestände zu verringern, da die Wiederbeschaffungszeit sinkt. Der positive Effekt verstärkt sich quasi selbst, indem es neben geringern Durchlaufzeiten auch noch monetäre Vorteile gibt.

Allerdings ist dieser Effekt nur sinnvoll, wenn Warenströme durch tatsächlichen Kundenbedarf ausgelöst werden. Beim "Schieben" funktioniert das System nicht, es werden darüber hinaus sogar Probleme generiert. "Schiebt" die Brauerei ohne Anlass (also vorherigen Zug) Liefermengen in den Markt, gibt es dafür weder adäquate Abnehmer, noch Vorbereitungen der nachgelagerten Stellen, um die Mehrmengen sinnvoll aufzunehmen. Darüber hinaus wird unnötig Kapital gebunden und andere begrenzte Ressourcen ohne direkten Bedarf beansprucht. Zum Beispiel Transport- und Lagerkapazitäten oder Verkaufsfläche.

Das hier beschriebene Tau muss irgendwie in die Supply Chain integriert werden. Dafür ist eine einheitliche IT-Infrastruktur notwendig und ein ungebrochener Informationsfluss, der an jeder Stelle verfügbar ist und sämtliche notwendigen Daten bereit hält. Darüber hinaus muss definiert werden, welcher Art und Güte die Informationen zu sein haben, wer sie generiert und wie sie durch wen abgerufen werden.

Eine in der Praxis verbreitete Option bietet ECR - Efficent Consumer Response - Mehr dazu finden Sie im Abschnitt Informationsfluss-ECR.

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kleiner Hinweis

Hinweise, Anregungen und vor allem Kritik - egal ob positiv oder negativ - sind immer willkommen und ausdrücklich erwünscht.

Beste Grüße aus Hamburg
Carsten Schmidt